Folkwang Universität der Künste Studiengang Jazz

Impressionen: Workshop mit Jazz-Legende Billy Hart

Zwei Artikel von Calvin Lennig/Folkwang Studiscouts und von Ingo Marmulla/NRWJAZZ

 

 

Tradition als Grundlage

Text: Calvin Lennig

 

Am 24. und 25.04.2015 fand ein ganz besonderer Workshop im Bereich Jazz an Folkwang statt: Die Schlagzeuger-Legende Billy Hart war zu Besuch. Zu Billy Hart muss man nicht viel sagen. Außer vielleicht, dass er mit solchen Legenden der Jazz-Musik wie Miles Davis, Herbie Hancock oder auch Stan Getz gespielt hat  sein Schlagzeug-Spiel auf über 900 (!!!) CD-Veröffentlichungen zu hören ist. Studiscout Calvin Lennig war beim Workshop und berichtet über seine Impressionen.

 

„Als Jazz-Schlagzeuger bist du sowohl der Percussionist als auch der Dirigent des Ensembles! Du hast die absolute Kontrolle!“, sagt Billy Hart und alle Workshop-Teilnehmer hängen sofort an den Lippen des faszinierenden Schlagzeugers. Dieser Mann, der mit seinen 74 Jahren auf so viele begeisternde musikalische Erlebnisse zurück blicken kann, ist kein Mann von der introvertierten Sorte: Er genießt es, seine zahlreichen Erfahrungen und Geschichten über die illustre Welt der Jazz-Legenden mit anderen zu teilen. Alle hören immer wieder gebannt zu, wenn Billy Hart seine Geschichten über Miles Davis, Dizzy Gillespie, Freddy Hubbard und viele andere Giganten erzählt.

„Um einen Schritt nach vorne gehen zu können, musst du erst einmal einen Schritt nach hinten machen.“, erklärt der Schlagzeuger und bezieht sich mit dem „Schritt nach hinten“ auf den Wert der Tradition im Jazz. Für ihn gibt es zahlreiche musikalische Vorbilder, dessen Spiel er bis ins letzte Detail studiert hat, um daraus seine eigene musikalische Sprache zu entwickeln. Am Schlagzeug sind das unter anderem Jo Jones, Kenny Clarke oder Max Roach, auf die er sich immer wieder bezieht und von denen er immer wieder ins Schwärmen gerät.

Zum Schluss gibt es noch eine seiner wunderbaren Geschichten:

„Eines Nachts ging ich in eine Bar und wer saß auf einmal neben mir am Tresen? John Coltrane. Das war zu dem Zeitpunkt, als sein wegweisendes spirituelles Album „A Love Supreme“ bereits ein Hit war und er im Begriffe war, die Musikwelt für immer zu verändern. Und dann sagte er etwas, das mich total umhaute und faszinierte: „Billy, ich verstehe gar nicht richtig, was gerade mit mir und meiner Musik passiert und weiß auch nicht genau, wieso ich das ganze mache. Das einziges, was ich weiß, ist, dass ich nicht mehr aufhören kann.“

 

 

Calvin Lennig / 28.04.2015

 

 

Impressionen eines Masterclass-Workshops | Billy Hart in der Folkwang

Text: Ingo Marmulla

 

Essen, 27.04.2015 | Gerade zwei Tage ist es her, dass Thomas Alkier, das Folkwang Aushängeschild des Drummings zusammen mit Thomas Hufschmidt in der Recklinghäuser „Schmiede“ war. Ganz beiläufig hatte er mich gefragt, ob ein Schlagzeug für den Abend zur Verfügung stünde, er müsse am Folgetag Billy Hart abholen, und er habe keine Lust, dieses mit einem Schlagzeug im Auto zu tun. Bei diesem Namen war ich zwar schon elektrisiert, aber zunächst mussten wir ja mal Musik machen ... Was wir auch taten.

 

Nach dem Job hab ich ihm dann eine SMS geschickt und angefragt, ob es denn eine Möglichkeit für mich gäbe, bei dem Workshop vorbei zu schauen. Am nächsten Tag kam prompt die Info. „Kein Problem! ... Pina Bausch Saal, 10-12 Uhr Sa Vormittag.“ Nun bin ich kein wirklicher Drummer, aber das Schlagzeugspiel hat mich, so wie wahrscheinlich die meisten Jazz- und auch Rockmusiker, in den Bann geschlagen – vermutlich zum Leidwesen der eigentlichen Schlagzeuger ...